anna baranowski


 


 

2 Kanal-Videoinstallation im öffentlichen Raum HDV, 18 min / Projektionen 250 x 400 cm

2007 - 2009


Notfälle treten immer überraschend auf. Um auf solche Situationen nicht vollkommen unvorbereitet zu sein, bedarf man der Sicherheit, sich selbst helfen zu können. Als Kind wird man dazu erzogen, nur im äußersten Notfall um Hilfe zu rufen, da einem sonst im Fall einer Gefahr nicht mehr geglaubt wird. Doch woher gewinnt man die Sicherheit, sich in einer Notlage Gehör zu verschaffen, wenn man es nie geprobt hat? Ist man dazu in der Lage, um Hilfe zu schreien? Oder verspürt man ein Gefühl der Ohnmacht? Vielleicht ist deshalb die Angst vor dem „Nicht schreien können“ Bestandteil kollektiven Traumgeschehens. Die Arbeit "Hilferuf_134dB" animiert Menschen unterschiedlicher Generationen, sich zu überwinden, in öffentlichen Räumen um Hilfe zu rufen. Diese inszenierten, einmalig von den Personen ausgeübten Hilferufe, wurden nicht in Notsituationen ausgerufen, sondern konzentriert, aus eigenem Antrieb heraus. Die Protagonisten sind aufgefordert, mit Regeln aus der Kindheit zu brechen. Wichtig dabei ist nicht nur die individuelle Ausdrucksweise eines Hilfeschreis, sondern insbesondere der Moment der Konzentration, der Anspannung und vielleicht auch die Scham vor Bloßstellung und Offenbarung vor Anderen. Der Moment nach dem Hilferuf zeugt von enormer Erleichterung, die Schwellenangst überwunden zu haben, verbunden mit Euphorie und nahezu kindlicher Freude. Die überdimensionale Projektion lässt die subtile Mimik und Gestik der Protagonisten deutlich zutage treten. Die Arbeit wird bewusst im öffentlichen Raum platziert, da sie den Passanten aus seinem alltäglichen Lauf von A nach B herausreißen soll, wie eine unerwartete Notsituation. Welche Bedeutung hat ein Hilfeschrei im öffentlichen Raum? Lassen sich Passanten aus ihrem Alltagstrott reißen, um im "Notfall" zur Hilfe zu eilen oder hat die Übersättigung mit medialen Schreckensbildern bereits zu einer Abstumpfung geführt?